Ausgangspunkt der Konzeptentwicklung war die Annahme, dass sich Koexistenz im Kontext neuer Gentechnik als sogenanntes “Wicked Problem[1]“ beschreiben lässt: Die Fragestellung ist komplex, vielschichtig und lässt sich weder rein juristisch, politisch, noch technisch lösen. Vielmehr berührt sie ökologische, ökonomische, politische und kulturelle Dimensionen zugleich. Unterschiedliche Akteur:innen bringen dabei nicht nur unterschiedliches Wissen, sondern auch unterschiedliche Werte, Erfahrungen und Interessen ein und damit auch unterschiedliche Erwartungen an Fragestellungen, Methoden und den gemeinsamen Arbeitsprozess.

Fazit der Veranstaltung. Die Dialogveranstaltung machte deutlich, dass die Koexistenz mit neuer Gentechnik als Wicked Problem weder durch Positionierungen (dafür/dagegen) noch durch Reduktionen (bspw. auf rein technische Merkmale) wirksam bearbeitet werden kann, ohne dass solche Vereinfachungen an anderer Stelle wesentliche Spannungen, Verdrängungen oder Folgegekosten im Gesamtsystem erzeugen würden. Auch der Ruf nach „mehr Dialog“ allein greift zu kurz und würde selbst eine solche Vereinfachung darstellen. Erforderlich ist ein sowohl-als-auch Ansatz und Mindset betroffener Akteure. Aus der Perspektive der Prozessbegleitung können wiederkehrende offene Lern- und Austauschräume, in denen die Interaktion und das gemeinsame Lernen zwischen den Akteur:innen im Zentrum stehen, einen wesentlichen Beitrag für eine produktive und rücksichtsvolle Weiterentwicklung des Themas leisten.

[1] https://www.stonybrook.edu/commcms/wicked-problem/about/What-is-a-wicked-problem

Zusammenfassung der Ergebnisse

Multidimensionalität Koexistenz

  • Koexistenz mit Gentechnik ist facettenreich und komplex
  • Beschreibt nicht nur das Nebeneinander von verschiedenen landwirtschaftlichen Systemen oder Produkten im Einkaufsregal
  • Findet auch in vorgelagerten Bereichen statt: in  Regulierung von Marktdynamiken und Patentierbarkeit zum Schutz der gentechnikfreien Saatgutzüchtung.
  • Bei der Regulierung der Koexistenz müssen alle Ebenen in Betracht gezogen werden
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Ist Koexistenz möglich?

  • Koexistenz als Idee vs. Koexistenz als Praxis: breite Zustimmung zur Idee, grosse Skepsis gegenüber der Umsetzbarkeit.
  • Praktikabilität und Ausgestaltung der Grenzwerte hängen zusammen: bei Nulltoleranz wäre Koexistenz unmöglich, bei hoher Toleranz würde die Glaubwürdigkeit der NGT-freien Produktion leiden.
  • Klare Trennung ist aufgrund von Bienenflug, Kleinräumigkeit und komplexer Lieferketten sehr schwierig
  • Trotzdem brauche es eine Regulierung, denn eine unregulierte Anwendung führe zu totaler Vermischung
  • Koexistenz im Feld muss auch langfristig gedacht werden, da die Vermischung über Zeit eine klare Grenzziehung zunehmend erschweren
  • Wissenschaft allein (auch «gute» unabhängige Forschung) wird nicht die Antworten liefern, die wir für eine Koexistenzregulierung gerne hätten.
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Praktische Umsetzung der Koexistenz

  • Unterschiedliche Arten (Apfel, Raps, Weizen) haben unterschiedliche Anforderungsprofile (z. B. Abstände).
  • Wunsch nach Übersicht und Kontrolle durch Register, Markierungen, räumliche Barrieren oder klar voneinander abgegrenzte Bereiche.
  • Ganze Regionen abzugrenzen, wurde als praktisch unmöglich eingeschätzt, da nie alle aus einer Region zustimmen würden.
  • Kontrolle der Warenflusstrennung ist mit hohem finanziellem Aufwand Wer ist für die Kontrolle verantwortlich?
  • Umsetzung der Koexistenz wurde oft als organisatorische und administrative Herausforderung verstanden – weniger als rein technische Frage.
  • Bei Kontamination Haftung durch Verursachende
  • Die Vermischung durch Pollen und Wind könnte mittels technischer Möglichkeiten (z. B. CMS) gelöst werden.
  • Entwicklung von Nachweisverfahren grundlegend
  • selbst mit gelieferten Nachweisverfahren teilweise schwierig werden könnte.
  • Grundsätzliche Fragen blieben offen: wer die potenziellen Risiken und Kosten trägt und wie viel Nutzen realistisch zu erwarten sei.
  • Regulierung soll mit dem Ausland kompatibel
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Wahlfreiheit und Transparenz

  • Kennzeichnung und die Sicherung der Wahlfreiheit entlang der gesamten Wertschöpfungskette als zentrale Elemente
  • Kennzeichnung ist in jedem Fall nötig, auch wenn Produkte aus dem Ausland kommen.
  • Wie schaffen wir Transparenz, ohne das Vertrauen der Konsument:innen zu zerstören oder Komplexität zu vereinfachen?
  • Label durch privatwirtschaftliche Unternehmen möglich, wurde aber kritisch gesehen, eher Entlastung durch Politik gefordert
  • Kennzeichnung soll informieren, aber nicht überfordern
  • Wie viel Wahlfreiheit steck in unserem Ernährungssystem wirklich? Essen wir, was wir produzieren oder produzieren wir, was wir essen?
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Einschränkung der konventionellen Züchtung

  • Patente auf NGT greifen oft auf Sorten aus der konventionellen Züchtung, was die genetische Vielfalt bedroht
  • Bereits jetzt sind Einschränkungen Realität (z. B. 20 Patente auf Resistenz Jordan Virus bei Tomaten)
  • Rechtssicherheit der Züchtenden: konventionelle Züchtung soll später nicht durch Patente Dritter in Frage gestellt werden können
  • Freier Zugang zu genetischen Ressourcen muss gewahrt werden
  • Ohne Regulierung der Patente, gerät konventionelle Züchtung unter hohen Druck
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Dynamik im Saatgutmarkt

  • Wenige Grosskonzerne dominieren den Saatgutmarkt
  • Patente verstärken das Oligopol durch Marktkonzentration und Abhängigkeit
  • Grosskonzerne und Patente beeinflussen stark die Entwicklung der Landwirtschaft, was sehr kritisch gesehen wird
  • Externalisierung der Kosten auf Gesellschaft nehmen zu
  • Wer profitiert und wer zahlt?
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Einbindung der Gesellschaft

  • Spannungsfelder zeichnen sich weniger entlang fachlicher Argumente, sondern entlang persönlicher Wertevorstellungen.
  • Gegenseitiges Verständnis der jeweiligen Perspektiven führt dazu, dass Positionen weniger starr oder einseitig wahrgenommen werden.
  • Nur weil man eine progressive Grundhaltung hat, hiess das nicht, dass nicht auch bewahrende und schützende Aspekte wichtig waren und umgekehrt.
  • Wunsch nach Transparenz, Dialog und gesellschaftlicher Einbettung der Technologie.
  • Es gibt kein gesellschaftliches Verständnis davon, was in der Pflanzenzucht alles gemacht wird und ab wann etwas als GVO Gehört nicht zur Allgemeinbildung.
  • Markergestützte Selektion wird von Gesellschaft bereits als Gentechnik wahrgenommen, obwohl es das nicht ist.
  • Handlungsbedarf besteht dort, wo unterschiedliche Verständnisse zentraler Begriffe oder Konzepte eine vertiefte Diskussion erschweren.
  • Meinungsverschiedenheiten bei konkreter Abwägung der Chancen und der Risiken.
  • Es gibt nur wenig Wissen darüber, wie Konsument:innen zu NGT stehen.
  • Wird NGT lediglich als neue Züchtungsmethode präsentiert oder als Eingriff in die Natur?
  • Möchten die Konsument:innen überhaupt NGT? Wer leistet Aufklärungsarbeit und wie sollen sie informiert werden? Mögliche Institutionen: Schule, SCNAT oder NFP84.
  • Meinung der Konsument:innen beeinflusst das Verhalten der Lebensmittelhändler
  • Soll die Gesellschaft die Grenze zu Gentechnik definieren?
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Betrachtung der Technologie

  • Teils bewusste Verschiebung von der Methode hin zur Wirkung einer Sorte: Nicht die Frage, wie gezüchtet wird, sondern was eine Pflanze bewirkt – ökologisch, gesundheitlich, gesellschaftlich.
  • Machtkonzentration, Profitgier oder Auswirkung der Patente auf den Zugang genetischer Ressourcen werden mit schneller spürbaren Risiken verbunden als die Wirkungsweise der Technologie.
  • Auch in der konventionellen Züchtung bestehen Risiken: Wie beeinflusst NGT diese Risiken?
  • Leere Versprechen der NGT: Technologie gibt es schon lange, aber Produkte auf dem Markt bleiben aus. Technologie hat sich noch nicht bewährt.
  • Bei einer Risikoanalyse über NGT müssen auch die Risiken von Nichtstun und Einschränkung von anderen Ansätzen betrachtet werden.
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Einbettung der Thematik in Gesamtlandwirtschaft

  • Züchtung ist nur ein Teil des Agrarsystems und allein durch NGT kann keine nachhaltige Landwirtschaft erreicht werden.
  • Unterschiedliche Ansätze für Pflanzenzüchtung bei verschiedenen Kulturen nötig
  • Unklar wie die globale Einführung von NGT die gentechnikfreie Saatgutverfügbarkeit bestimmter Kulturen verändern
  • Soll die Schweizer Landwirtschaft stärker exportorientiert agieren oder die Selbstversorgung priorisieren? Strategische Ausrichtung beeinflusst den Umgang mit NGT und sollte in der AP30+ berücksichtigt
  • Wird NGT in 20 Jahren überhaupt noch eine Rolle spielen oder werden wir uns mit anderen (geopolitischen) Problemen beschäftigen müssen?
  • Diversität – in Sorten, Anbausystemen und Züchtungsansätzen – mehrfach als robusterer Ansatz beschrieben als technologische Einzelmassnahmen.
  • Sowohl Befürchtung von unkontrollierten Entwicklungen als auch das Verpassen wichtiger Chancen machen Diskussion um Regulierung von NGT notwendig.
  • Sachverhalte müssen systemischer betrachtet und langfristig gedacht
  • Die Vernetzung mit der EU muss bei der Regulierung miteinbezogen werden.
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Dokumentation Workshops

WS1: Lernreise

Facilitation: Théo Fischer

Ziel der Lernreise war es, einen Erfahrungs- und Reflexionsraum zu schaffen, in dem Teilnehmende aus unterschiedlichen Hintergründen – Politik, Wissenschaft, Verwaltung, Landwirtschaft, Zivilgesellschaft und Wirtschaft – die komplexen Zusammenhänge rund um Koexistenz mit neuer Gentechnik (NGT), auch neue Züchtungstechnologien genannt, deren Regulierung und daran geknüpfte gesellschaftliche Erwartungen erfahrbar machen können.

Die Teilnehmenden fotografierten ihre Wahrnehmung der Koexistenz, besuchten symbolträchtige Orte wie den Einzelhändler Coop und tauschten anschliessend im Botanischen Garten ihre Eindrücke aus. Durch direkte Erfahrung sollen neue Gedanken entstehen und Neugier, Zuhören und gemeinsames Nachdenken gefördert werden.

Die Teilnehmenden befassten sich insbesondere mit den Themen Rückverfolgbarkeit, Machtstrukturen, Patentierung, Wahlfreiheit und die Multidimensionalität der Koexistenz. Das Format, das sich auf Zuhören und kollektive Intelligenz konzentrierte, ermöglichte es, Themen zu finden, bei denen sich alle einig waren: die Notwendigkeit von Transparenz, die Erhaltung genetischer Ressourcen und die Bedeutung demokratischer Regulierung.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 11

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WS2: Zukünfte denken

Faciliation: Lena Tünkers

Der Workshop «Zukünfte denken» elaborierte mit Hilfe einer dreiteiligen Methode, wie eine mögliche Koexistenz mit neuer Gentechnik (NGT), auch neue Züchtungstechnologien genannt,  im Jahr 2045 aussehen könnte.

Im ersten Schritt entwickelten die Teilnehmenden unterschiedliche Zukunftsbilder, die von vollständiger Verschmelzung aller Anbausysteme bis hin zum Szenario einer regulierten Koexistenz reichten. Danach wurden die zugrunde liegenden Annahmen identifiziert, wie die zunehmende Monopolisierung des Saatgutmarktes, ein abnehmender Wissensstand der Bevölkerung im Bereich Gentechnik oder, dass die Schweiz eigenständig bleibt und Landwirtschaftsgesetze erlässt. Im dritten Schritt wurden diese Annahmen bewusst verändert, um alternative Zukünfte zu entwerfen. Szenarien wie der Zerfall demokratischer Strukturen bei gleichzeitiger Monopolisierung der Saatgutproduktion, gentechnisch veränderte Menschen oder eine vollständig verstaatlichte Pflanzenzüchtung wurden entwickelt.

Der Austausch verlief sehr respektvoll und konstruktiv. Besonders starke Reaktionen zeigten sich bei Themen wie Populismus, dem Einfluss von KI oder sozialen Spannungen. Die Methode wurde als bereichernd wahrgenommen, da sie neue Perspektiven öffnete und zum kreativen Denken anregte.

Viele Teilnehmende kamen zum Schluss, dass NGT in zwanzig Jahren möglicherweise weniger zentral sein wird, weil andere Probleme dominanter werden. Insgesamt erwies sich der Workshop als konstruktiv, gemeinschaftlich und horizonterweiternd.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 15

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WS3: 3D Modelling

Facilitation: Severin von Hünerbein

Im Workshop sollen die Teilnehmenden mit verschiedenen Materialien die aktuelle landwirtschaftliche Produktionskette abbilden. Diese werden im Anschluss analysiert und dann so umgebaut, dass sie ein Modell der Koexistenz mit der neuen Gentechnik (NGT), auch neue Züchtungstechnologien abbilden. In einem letzten Schritt werden die wichtigen Fragen für eine Koexistenz diskutiert.

Zur Koexistenz mit NGT steht die praktische Umsetzung sowie das Vertrauen der Konsumierenden und die Kompatibilität mit dem Ausland im Mittelpunkt. Grundsätzlich wird der Erhalt von unterschiedlich Produktionsansätzen befürwortet, jedoch ist unklar, ob sich dies über Zeit so halten lässt oder ob konventioneller Anbau mit dem Anbau von NGT verschmelzen wird. Die Wahlfreiheit durch Kennzeichnung wir als zentral eingestuft. Es bleibt Unsicherheit über die Kosten, Verantwortlichkeit einer Umsetzung, als auch Kontrolle und Haftungsregelung.

Das Basteln der Modelle ermöglicht eine neue Herangehensweise an die Thematik und sorgt dafür, dass alle Teilnehmenden involviert sind. Der Workshop schafft es, alle Beteiligten einzubeziehen, konstruktive Gespräche zu fördern und ist von einem respektvollen, weniger konfrontativem Umgang miteinander geprägt. Der Facilitator reduziert sein Einschreiten auf ein Minimum.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 21

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WS4: Prozessarbeit

Facilitation: Sidsel Andersen und Natalia Nowicka

Der Workshop nutzte die Methoden zur Prozessarbeit aus Deep Democracy,[1] um unterschiedliche Perspektiven zur Gentechnik-Debatte sichtbar zu machen und den Dialog zwischen Interessensgruppen aus Landwirtschaft, Züchtung, Wissenschaft und Verbänden zu vertiefen. Die unterschiedlichen Positionen als auch emotionale Dynamiken konnten transparent gemacht werden.

Im ersten Teil stellten sich die Teilnehmenden entlang von zwei Gradienten auf (Konservativ-progressiv / hohe Beteiligung – tiefe Beteiligung an Entscheidungen). Am meisten positionierten sich die Teilnehmenden eher im konservativen Teil mit hoher Beteiligung.

Im zweiten Teil wählte die Moderation zwei sich gegenüberliegende Stimmen aus, die in zwei Gruppen tiefer erforscht werden. Wichtig ist dabei: Man erforscht nicht die Position, die einem vertraut ist, sondern jene, die man am wenigsten kennt. Es ergaben sich zwei Hauptpolaritäten: ein Landwirt mit Grossbetrieb und Technologieoffenheit, auf der anderen Seite ein Kleinbauer mit starker Naturverbundenheit. Die Empathie-Übung hat zu besserem Verständnis der gegenüberliegenden Seite geführt. Die Reaktion ragte von “Eröffnung von neuen Blickwinkeln” bis zu “es hat sich nichts verändert”.

Die Facilitation führte ruhig und konsequent durch den Prozess, adressierte Widerstände durch Klärungsfragen und sorgte für eine klare Zeitführung.

[1] Mindel, Arnold (2003, The Deep Democracy of Open Forums, Hampton Roads Publisching Co.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 27

WS5: Lego® Serious Play®

Facilitation: Florian Wieser und Niki Wiese

Lego® Serious Play® nutzt das Prinzip des „Denkens mit den Händen“. Alle Teilnehmenden arbeiten mit denselben Materialien und beantworten präzise gestellte Fragen, indem sie Modelle bauen, die ihre Gedanken, Erfahrungen oder Zukunftsbilder repräsentieren. Dadurch werden implizites Wissen, Emotionen und systemische Zusammenhänge sichtbar gemacht. Teilnehmende konnten ihre Gedanken in Modellen abbilden und ihre Geschichte dazu erzählen.  Die Diskussionen basierten auf den Inhalten der Modelle, eine konstruktive, respektvolle Gesprächsatmosphäre. Auf diese Weise bleiben alle Perspektiven gleichwertig im Raum präsent und können nicht durch rhetorische Stärke überlagert werden.

Inhaltlich wurden zunächst die Risiken und Ängste im Umgang mit NGT diskutiert, von unkontrollierter Anwendung über ethische Fragen bis hin zu ökologischen und gesellschaftlichen Unsicherheiten. Besonders betont wurde, dass nicht nur die Technologie selbst, sondern auch menschliche Haltungen wie Egoismus oder Grössenwahn Risiken verstärken können. In der zweiten Runde entwickelten die Teilnehmenden Visionen für eine ideale Koexistenz von NGT und klassischer Züchtung. Dabei zeigte sich ein gemeinsamer Nenner: Transparenz, Dialog und gesellschaftliche Einbettung sind entscheidend. Spannungsfelder und offene Fragen bestehen vor allem bei der praktischen Umsetzung der Koexistenz, etwa durch Bienenflug, räumliche Einschränkungen und der Komplexität der Lieferketten, sowie bei Patentrecht und der Regulierung der Technologie.

Der Workshop machte deutlich, dass Züchtung nur ein Teil des gesamten Agrarsystems ist und dass Chancen und Risiken stark von der jeweiligen Kultur abhängen. Insgesamt bot der Workshop einen offenen, kreativen Raum, in dem komplexe Fragen sichtbar und diskutierbar wurden.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 33

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Fish Bowl Diskussionen

Die Themenwahl entstand unmittelbar aus der gemeinsamen Verdichtung: Facilitator:innen und Protokollführende der Formate des Vormittags spiegelten beim Mittagessen ihre Beobachtungen aus den Workshops und identifizierten jene vier Themenfelder für die Fish Bowls, die sich über alle Formate hinweg immer wieder zeigten, besonders viel Spannung erzeugten oder als besonders relevant wahrgenommen wurden:

  1. Bildung & Wissen (über NGT)
  2. Einfluss EU auf die Schweiz
  3. Machtstrukturen und Patente
  4. Bienen und ihren Einfluss auf Koexistenz

Die Fish Bowl-Methode wurde gewählt, weil ihre offene, durchlässige Struktur einen hohen Grad an selbstverantwortlicher Beteiligung und Interaktion erfordert & ermöglicht. Teilnehmende konnten je nach Interesse, Expertise oder Betroffenheit aktiv in den inneren Dialogkreis wechseln oder von aussen zuhören. Dadurch blieb der dialogische Charakter der Veranstaltung erhalten und unterschiedliche Perspektiven konnten gleichwertig nebeneinander verhandelt werden.

Die Diskussion in Fish Bowls hatten oft ein hohes Tempo, dennoch hörten sich alle sehr aufmerksam zu. Die Sprechenden äusserten sich oft leidenschaftlich, und die Diskussion verlief freundlich und respektvoll, auch wenn es offensichtlich Meinungsverschiedenheiten gab.

Mehr Informationen zu den einzelnen Diskussionen im Bericht ab S. 38

 
 

Open Space: Arbeitsgruppen

Der Übergang von den Fish Bowl-Diskussionen in den geplanten Open Space war als Möglichkeitsraum gedacht, um aus den verdichteten Themen konkrete Impulse, Fragestellungen oder Ideen selbstorganisiert weiterzuentwickeln. Bereits am Ende der Fish Bowls wurden die Teilnehmenden eingeladen, entsprechende Anliegen auf Post-its zu formulieren und zur gemeinsamen Weiterarbeit anzubieten.

Diese Einladung wurde zunächst nur zurückhaltend aufgenommen, weshalb eine offene Dialogrunde im Plenum eingeschoben wurde. Aus der retrospektive betrachtet zeigte sich, dass die Kombination aus inhaltlicher Fülle, Ermüdung und einer gewissen Unklarheit darüber, wie aus den zahlreichen und vielschichtigen Gesprächen unmittelbar handlungsorientierte Schritte entstehen könnten, etwas überfordernd waren.

Dennoch entstanden im Anschluss an die offene Dialogrunde mehrere thematische Arbeitsgruppen:

  • Ausbildung und Wissensvermittlung
  • Praktische Umsetzung der Koexistenz
  • Systemische Rahmenbedingungen
  • Umgang mit EU-Deregulierung
  • Patentfreies Saatgut

Der Open Space erfüllte damit weniger die Funktion eines emergenten Entstehens von Arbeitsgruppen bzw. Koalitionen, bot aber Raum für fokussierte Vertiefungen entlang konkreter Interessen.

Mehr Informationen im Bericht ab S. 43

Impulse und weiteres Vorgehen

Erwartungen an den politischen Prozess

  • Die Notwendigkeit einer demokratischen Regulierung, die in der öffentlichen Diskussion eingebettet ist
  • Die Wahlfreiheit muss im Vorfeld durch Gesetze garantiert werden und darf nicht der Konsumentin oder dem Konsumenten überlassen werden.
  • Die Politik bestimmt und verantwortet, was vom Markt geregelt wird und was vom Staat.
  • NGT benötigt klare Regeln und Verantwortung.
  • unregulierte Anwendung, die zur Verdrängung der klassischen Züchtung führt, ist inakzeptabel

Der Dialog muss weitergeführt werden

  • Ein verantwortungsvoller Dialog ist die Grundlage einer guten Gesetzgebung
  • Ohne Dialog müssten alle für sich schauen und entsprechende Risiken selbst abschätzen und tragen
  • Dialog soll konstruktiv geführt sein und aufeinander aufbauen
  • Grundsätzliche Bereitschaft gemeinsam Lösungen zu entwickeln

 

Mit diesen Impulsen schliesst sich der Raum, den die Schweizer Allianz Gentechfrei für den Dialog eröffnet hat und macht Platz für andere Interessensgruppen, den Dialog weiterzuführen. Die Erfahrungen und Ergebnisse, die im Rahmen dieser Veranstaltung gemacht wurden, stehen allen zur Verfügung und sollen in die zukünftige Weiterführung des Dialogs einfliessen und weiterentwickelt werden.

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